„Alles Sichtbare haftet am Unsichtbaren, alles Fühlbare am Unfühlbaren. Das Hörbare am Unhörbaren, vielleicht das Denkbare am Undenkbaren“ Novalis
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Kashmir Yoga

Kaschmir ist eine Region zwischen Indien und Pakistan , die meistens nur durch politische Unruhen bekannt geworden ist. Eine Yogarichtung nach einer blühenden und einzigartigen Landschaft zu benennen ist recht ungewöhnlich. Doch wahrscheinlich, hat schon die verschwenderische Schönheit dieser Gegend, etwas mit Yoga gemeinsam.

 

Durch meinen Lehrer Leopoldo Chariarse kam ich vor Jahren mit diesem Yoga in Kontakt ,und bin seitdem vom kaschmirischen Yoga genauso begeistert, wie fasziniert und dankbar. Leopoldo Chariarse ,ein ebenso exzellenter Lyriker und Musiker wie Yogalehrer, wurde jahrzehntelang von einem der letzten europäischen Weisen unserer Zeit, nämlich Jean Klein ( gest.1998) unterrichtet.

Jean Klein war u.a. einer der wenigen Schüler von Swami Lakshman Joo (1907 - 1991), einem der großen Meister des kaschmirischen Sivaismus in Text und Praxis. Swami Lakshman Joo bezog sich auf die Schriften und Kommentare der alten indische Ur -Texte und gab viele verschlüsselte Weisheiten und Mysterien an seine Schüler weiter. Der gelehrte Yogi Abhinavagupta brachte schon im 10 /11 Jhr. n.Chr. mit seinem Tantraloka etwas Licht in diese Ur-Texte und verhinderte ,das Wissen verloren geht.

Einer der ins deutsche, übersetzten Urtext , das Vijnana Bhairava (das göttliche Bewusstsein , 112 Weisen der mystischen Erfahrung im Sivaismus von Kashmir) wurde ca. im 6 Jahrhundert nach Chr. in Indien verfasst. Den Sinn der Texte kann man jedoch nicht allein erlesen , sondern man muß Sie mit Körper und Geist durchdrungen haben, um Sie zu verstehen.

Obwohl Sie weder philosophisch, religiös noch zeitlich zusammenpassen sind diese Texte für mich eine Art Weiterführung oder Ergänzung der 196 Sutren (Leitsätze) des Patanjali (ein  Yoga -Gelehrter , ca. 250 Jahre vor Christus).Kurze , alles erklärende Verse wurden mündlich von Lehrer zu Schüler weitergegeben. Einige Schüler schrieben den Text auf und so entstand ein einzigartiges, echtes Buch über Yoga.

Yoga in der kaschmirischen Tradition

Das Ziel des Yoga ist die Befreiung von allem Leid, die Selbstverwirklichung, die letzte Freiheit. Die Anweisungen und Techniken im Kashmiryoga werden in 3 Ebenen eingeteilt. Jede Ebene hat eine Verbindung zur Freiheit.

 1.anavopaya .(der Pfad des Individuums) In dieser Ebene ist die Energie der Aktion vorherrschend . Die Praxis von asana und pranayama stehen im Vordergrund. 
2.saktopaya (der Pfad der Sakti , der Energie).Diese Ebene umfasst alle mentalen Techniken. 
- Meditationen
- Arbeiten mit der kreativen Imagination.
- Konzentration auf den Übergang zwischen zwei Gedanken
- Konzentration auf den Übergang zwischen zwei Atemzüge
- Konzentration auf den Übergang zwischen schlafen und Wachen.
- Die Arbeit mit der Leere (Sunya) und dem Raum ist eine faszinierende Möglichkeit auf

Endeckungsreise zu gehen und Dinge so zu betrachten, wie man sie noch nie erlebt hat. Weiterhin führt die Leere nach intensiver, angeleiteter und disziplinierter Praxis zum  Schlüssel der Transformation. 3.sambhavopaya (der Pfad des Siva, des reinen Bewußtseins)

In dieser Ebene geht es um noch mehr um Gedankenstillstand oder Gedankenleere. Hier werden keine Techniken mehr angewandt. Diese Ebene ist eine Gnade, ein Geschenk.

Hatha - yogische Körperarbeit
in der Kashmir - Tradition

Jean Klein unterrichtete diese Art von Yoga bis 1998 zusammen mit spirituellen Anweisungen fast 35 Jahre in Europa und den USA. Leopoldo Chariarse ist noch heute auf der ganzen Welt lehrend aktiv. Während der Körperpraxis wird der Energiekörper durch die Vorstellungskraft und den Tastsinn aktiviert. Dies bedingt ,das der Schüler eine gewisse yogische Reife und somit einen entspannten Geist erreicht hat. Dieser entspannte Geist weiß inzwischen, das Zufriedenheit und Glück nicht in Objekten zu suchen, oder ein Ergebnis Ego - gesteuerten Verhaltens ist. Durch einen "lauschenden " Geist kann die Körperpraxis zu einer Kunst vervollkommnet werden, in der sich die tieferen Schichten der Empfindung öffnen. Der Energiekörper beginnt aufzuwachen und Schicht um Schicht der im Unterbewusstsein verankerten Konditionierungen, kommt an die Oberfläche und löst sich auf. Diese Konditionierungen ( z.B.angelernte, angeborene oder übernommene Reiz - Reaktions - Muster) sind in unserem Gehirn verankert und halten den Energiekörper (oder auch pranischer Körper genannt) klein. Nach dem Verschwinden der Konditionierungen wird der Energiekörper wieder größer und größer. Die Kommunikation zwischen dem physischen und subtilen, feinstofflichen Körper , oder in anderen Worten zwischen dem physischen Körper und dem Geist finden durch die Übertragung des Energiekörpers statt. Durch die Erweckung dieses Energiekörpers wird der psychologische und spirituelle Effekt von Hatha - Yoga wesentlich erhöht.

Frei nach Leopoldo Chariarse, Koos Zondervan, Vijnana Bhairava ( Übersetzung von Bettina Bäumer ) und eigener Erfahrung.

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